Netzwerken lernen: So baust du beruflich Kontakte auf, die tragen

Dominik Breitbach
Dominik Breitbach · Ressort Kommunikation, Landesvorstand

Dominik Breitbach ist Unternehmer und Gründer der taismo GmbH, einer SEO- und GEO-Agentur aus München. Im Landesvorstand der Wirtschaftsjunioren Bayern leitet er seit 2026 das Ressort Kommunikation.

⏱ Lesedauer: 14 Min🔄 Zuletzt aktualisiert: 06.10.2026☆ Bei Google bevorzugen

Netzwerken lernen heißt, berufliche Beziehungen bewusst aufzubauen und zu pflegen, lange bevor du sie brauchst. Du lernst es wie jede andere Fähigkeit: Mit einem klaren Ziel, wiederholten Begegnungen mit denselben Menschen und der Bereitschaft, zuerst etwas zu geben. Wir haben 21 junge Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte aus Bayern gefragt, warum sie in einem Netzwerk sind: 12 nennen den Austausch, und keine einzige Antwort nennt Kunden oder Aufträge.

👉 Wie die Wirtschaftsjunioren Bayern neue Mitglieder in den Kreisen begleiten, erfährst du im Ressort Mitglieder.

Netzwerken: Definition und warum es sich lernen lässt

Netzwerken bezeichnet den bewussten Aufbau und die Pflege von Beziehungen zu Menschen, die sich beruflich gegenseitig weiterhelfen. Das englische Wort dafür ist Networking. Ein Netzwerk ist das Ergebnis, Netzwerken die Tätigkeit: Gespräche führen, Kontakte halten, Wissen teilen und Menschen miteinander bekannt machen. In der Informatik meint Networking außerdem die Vernetzung von Computern. Dieser Ratgeber behandelt ausschließlich berufliche Kontakte.

Netzwerken ist eine Fähigkeit, und Fähigkeiten lassen sich trainieren. Sie besteht aus wenigen, gut trainierbaren Verhaltensweisen: Fragen, Zuhören, Nachfassen, Helfen und Dranbleiben. Wer diese fünf Verhaltensweisen regelmäßig übt, wird besser, ganz gleich ob er gern im Mittelpunkt steht oder lieber am Rand.

Ein berufliches Netzwerk trägt drei Arten von Nutzen: Informationen (wer weiß etwas, das ich noch nicht weiß), Unterstützung (wer hilft mir bei einem konkreten Problem) und Gelegenheiten (wer denkt an mich, wenn ein Auftrag, eine Stelle oder ein Ehrenamt frei wird). Alle drei entstehen aus Vertrauen, und Vertrauen braucht Zeit.

Schwache Bindungen öffnen neue Türen: Was die Forschung zum Netzwerken zeigt

Die bekannteste Studie zum Netzwerken stammt aus dem Jahr 1973. Der Soziologe Mark Granovetter befragte Fach- und Führungskräfte aus einem Vorort von Boston, die ihre neue Stelle über einen persönlichen Kontakt gefunden hatten. Er wollte wissen, wie oft sie diesen Kontakt damals gesehen hatten. Das Ergebnis: Nur 16,7 Prozent sahen ihn oft, also mindestens zweimal pro Woche. 55,6 Prozent sahen ihn gelegentlich und 27,8 Prozent selten, also höchstens einmal im Jahr.

Wie oft Jobwechsler ihren Kontakt sahen, Granovetter 1973Neue Stelle über einen Kontakt: Wie oft sahen sie ihn?16,7 %oftmind. 2× pro Woche55,6 %gelegentlichseltener, mehr als 1× im Jahr27,8 %selten1× im Jahr oder wenigerFach- und Führungskräfte, N = 54Abb. 1 · Wirtschaftsjunioren Bayern
Abb. 1: Wie oft Fach- und Führungskräfte den Kontakt sahen, der ihnen zur neuen Stelle verhalf (Granovetter 1973)

Granovetter nannte das die Stärke schwacher Bindungen. Enge Freunde bewegen sich in denselben Kreisen wie du und wissen deshalb meist dasselbe. Lose Bekannte, etwa eine frühere Kollegin oder ein Studienfreund, haben Zugang zu Informationen, die in deinem engen Umfeld fehlen. In vielen Fällen, schreibt Granovetter, war der hilfreiche Kontakt jemand am Rand des Netzwerks, mit dem nur sporadischer Kontakt bestand.

2022 hat ein Forschungsteam von LinkedIn, der Harvard Business School, der Stanford University und des MIT die Theorie mit echten Experimenten überprüft. Über fünf Jahre veränderte das Team zufällig, welche Kontakte LinkedIn seinen Mitgliedern vorschlug. Beteiligt waren mehr als 20 Millionen Menschen, in dieser Zeit entstanden 2 Milliarden neue Verbindungen und 600.000 neue Jobs. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Science und bestätigt Granovetter mit drei wichtigen Ergänzungen:

  1. Mäßig schwache Bindungen wirken am stärksten. Der Nutzen steigt mit der Schwäche der Bindung nur bis zu einem Punkt, danach nimmt er wieder ab. Völlig Fremde helfen seltener als Bekannte, mit denen du einige gemeinsame Kontakte teilst.
  2. Die Messung entscheidet. Gemessen an gemeinsamen Kontakten halfen mäßig schwache Bindungen am meisten, gemessen an der Häufigkeit des Austauschs die schwächsten.
  3. Die Branche zählt. In stärker digitalen Branchen erhöhten schwache Bindungen die Jobmobilität, in weniger digitalen Branchen die starken Bindungen.
BindungBeispieleWas sie dir bringt
Starke BindungenFamilie, enge Freunde, Geschäftspartner, dein TeamVertrauen, Rückhalt in schwierigen Phasen, ehrliches Feedback
Mäßig schwache BindungenMenschen aus deinem Kreis oder Verband, frühere Kolleginnen, Bekannte von KonferenzenNeue Informationen, Empfehlungen, Gelegenheiten aus fremden Branchen
Sehr schwache BindungenEinmalige Begegnungen, reine Online-KontakteReichweite, aber selten konkrete Hilfe

Für junge Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte folgt daraus eine klare Aufgabe: Pflege beide Seiten. Die engen Kontakte geben dir Halt, die lockeren Kontakte bringen dir Neues. Viele Betriebe im bayerischen Mittelstand und im Handwerk arbeiten mit langjährigen persönlichen Beziehungen zu Kunden und Lieferanten. Für sie spricht der Branchenbefund dafür, gerade die starken Bindungen nicht zu vernachlässigen.

21 Antworten: Warum junge Unternehmer in Bayern netzwerken

Die Wirtschaftsjunioren Bayern stellen 2026 in der Kampagne „Wirtschaft beginnt mit WIR“ ihre Mitglieder vor. Alle Porträtierten ergänzen denselben Satz: „Ich bin Wirtschaftsjunior, weil …“. Wir haben die 21 Antworten aus den Porträts von Februar bis September 2026 ausgewertet. Die Befragten kommen aus allen sieben Regierungsbezirken, arbeiten in Familienunternehmen, einer Kanzlei, Kindertagesstätten oder einem Computerspiele-Studio, andere angestellt bei der BMW Group, der BayWa oder einer Sparkasse. Das dienstälteste Mitglied ist seit 2009 dabei, das jüngste seit 2026, und zehn der 21 sind 2023 oder später beigetreten.

Warum 21 junge Unternehmer in einem Netzwerk sind„Ich bin Wirtschaftsjunior, weil …“: Motive in 21 AntwortenMenschen und Gemeinschaft14Austausch12Gemeinsam etwas bewegen10Persönlich wachsen8Voneinander lernen8Energie, Spaß und Begeisterung7Gegenseitige Hilfe3Augenhöhe3Kunden, Aufträge, Umsatz0Mehrfachnennung möglich, je Antwort zählt ein Motiv einmalAbb. 2 · Wirtschaftsjunioren Bayern
Abb. 2: Warum 21 junge Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte aus Bayern in einem Netzwerk sind

Das Ergebnis ist eindeutig. 14 von 21 Antworten sprechen von Menschen, Kontakten oder Gemeinschaft, 12 ausdrücklich vom Austausch. 10 wollen gemeinsam etwas bewegen, je 8 nennen das persönliche Wachstum und das Lernen voneinander. Kunden, Aufträge, Umsatz oder Vertrieb kommen in keiner der 21 Antworten vor.

MotivAntwortenTypische Formulierung
Menschen und Gemeinschaft14 von 21„neue Menschen kennenzulernen“
Austausch12 von 21„Austausch auf Augenhöhe“
Gemeinsam etwas bewegen10 von 21„gemeinsam etwas in unserer Region bewegen“
Persönlich wachsen8 von 21„persönlich als Unternehmerin und Mensch zu wachsen“
Voneinander lernen8 von 21„voneinander lernen“
Energie, Spaß und Begeisterung7 von 21„eine echte Kraftquelle“
Gegenseitige Hilfe3 von 21„unterstützen sich ganz selbstverständlich gegenseitig“
Kunden, Aufträge, Umsatz0 von 21kommt nicht vor

So haben wir ausgewertet: Wir haben jede Antwort im Wortlaut gelesen und acht wiederkehrende Motive festgelegt. Ein Motiv zählt je Antwort höchstens einmal, und eine Antwort kann mehrere Motive enthalten. Die Zitate sind Selbstauskünfte und stehen unverändert da, nur Emojis haben wir entfernt. Was dieselben 21 Menschen unter Unternehmertum verstehen, zeigt der Ratgeber zum Unternehmergeist junger Unternehmer aus Bayern.

„Ich bin Wirtschaftsjunior, weil ich mich mit anderen jungen Unternehmerinnen und Unternehmern auf Augenhöhe austauschen, von anderen lernen und andere unterstützen möchte. Als Unternehmer tauchen täglich neue Themen auf, da muss das Rad nicht jedes Mal neu erfunden werden. Der Austausch über Wachstum, Führung, Fehler, Lösungen, Mut und das, was wirklich funktioniert, ist dabei enorm wertvoll.“
Maximilian Krämer, DNK Rechtsanwälte · WJ München, dabei seit 2021

Krämers Antwort enthält die wichtigste Lehre für alle, die Netzwerken lernen wollen. Ein gutes Netzwerk spart dir Zeit, weil jemand deine Frage schon einmal gelöst hat. Josephine Dransfeld, die mit ihrer Mutter die Plüschspielwarenfabrik Heunec in Coburg leitet, beschreibt denselben Effekt kürzer: Zu jedem noch so absurden Sachverhalt bekomme man im Netzwerk „ratz-fatz eine Antwort“.

Auffällig sind auch die Wege ins Netzwerk. Veronika Zweyer, die zwei Kindertagesstätten leitet, kam über ihren Mann. Nicole Vierheller, seit über 20 Jahren selbstständig in der Gastronomie, kam 2009 über ihren damaligen Gründer-Coach und hatte anfangs Zweifel. Heute nennt sie das Netzwerk eine „echte Kraftquelle“. Beide Wege zeigen: Der erste Schritt fällt leichter, wenn dich jemand mitnimmt.

„Ich bin Wirtschaftsjunior, weil ich hier die Möglichkeit habe, mich persönlich weiterzuentwickeln und stetig an neuen Erfahrungen zu wachsen. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, neue Kontakte zu knüpfen und aus meiner ehrenamtlichen Arbeit sind über die Jahre viele wertvolle Freundschaften entstanden!“
Julian Kreuzer, BayWa AG · Wirtschaftsjunioren Regensburg, dabei seit 2017

Zuerst geben: Der Grundsatz, der Netzwerken leicht macht

Die 21 Antworten beschreiben Netzwerken als Geben und Nehmen, und das Geben steht bei vielen vorn. Maximilian Krämer will „andere unterstützen“, Sophie Hepper erlebt Menschen, die sich „ganz selbstverständlich gegenseitig“ unterstützen. Wer mit dieser Haltung in ein Gespräch geht, verliert die Scheu vor dem Netzwerken, weil er nichts erbitten muss.

Geben kostet beim Netzwerken wenig. Vier Formen passen in jede Woche:

  • Wissen teilen: Schick einem Kontakt einen Artikel, eine Förderfrist oder einen Hinweis, der zu seinem letzten Gesprächsthema passt.
  • Menschen vorstellen: Bring zwei Kontakte zusammen, die voneinander profitieren. Eine Vorstellung mit zwei Sätzen Begründung ist oft das wertvollste Geschenk im Netzwerk.
  • Empfehlen: Nenne einen guten Dienstleister, eine Bewerberin oder einen Veranstaltungstipp weiter.
  • Rückmeldung geben: Biete an, eine Präsentation, ein Angebot oder einen Businessplan mit frischem Blick zu lesen.

Geben verlangt keine Gegenrechnung. Die Gegenseitigkeit entsteht über Zeit und oft über Umwege: Wer heute einer Kollegin aus Schwaben hilft, bekommt den entscheidenden Hinweis vielleicht in einem Jahr von jemandem aus Oberfranken, den sie ihm vorgestellt hat.

Netzwerken lernen in sieben Schritten

Die folgenden sieben Schritte verbinden die Forschung mit den Erfahrungen aus den 21 Antworten. Sie bauen aufeinander auf und passen in einen vollen Arbeitsalltag.

1. Ziel klären: Wofür brauchst du ein Netzwerk?

Ein Ziel macht Netzwerken leichter, weil es dir sagt, wen du suchst. Beantworte drei Fragen in je einem Satz: Welches Thema beschäftigt mich in den nächsten zwölf Monaten? Welche Menschen wissen darüber mehr als ich? Was kann ich diesen Menschen bieten? Eine Gründerin sucht vielleicht Erfahrung mit dem ersten Mitarbeiter, ein Nachfolger den Austausch mit anderen Nachfolgern.

2. Netzwerkkarte zeichnen und alte Kontakte wecken

Dein Netzwerk ist größer, als du denkst. Schreib auf, mit wem du in den letzten fünf Jahren beruflich zu tun hattest: Kolleginnen, Kunden, Kommilitonen, Trainer, Menschen aus Vereinen. Markiere, wer eng und wer locker mit dir verbunden ist. Granovetters Befund legt nahe, gerade die lockeren und eingeschlafenen Kontakte zu prüfen. Melde dich bei drei von ihnen mit einem konkreten Anlass.

3. Den passenden Ort wählen

Netzwerken gelingt dort am besten, wo sich dieselben Menschen regelmäßig treffen. Einmalige Großveranstaltungen bringen viele Visitenkarten, wiederkehrende Formate bringen Beziehungen. Geeignet sind Verbände mit Treffen vor Ort, Fachgruppen deiner Branche, Kammern, Gründerzentren und Ehrenämter. Welche Unternehmerverbände es in Bayern gibt und für wen sie sich eignen, zeigt der Ratgeber zu den Unternehmerverbänden in Bayern.

4. Gespräche führen: Fragen vorbereiten, zuhören

Bereite drei offene Fragen vor, bevor du zu einer Veranstaltung gehst. Bewährt haben sich Fragen zum Anlass („Was hat dich heute hierher gebracht?“), zur Arbeit („Woran arbeitest du gerade?“) und zur Zukunft („Was steht bei dir in den nächsten Monaten an?“). Hör danach länger zu, als du sprichst. Merk dir ein Detail, an das du später anknüpfen kannst.

5. Innerhalb von 48 Stunden nachfassen

Ein Gespräch ohne Nachricht verblasst schnell. Schreib innerhalb von 48 Stunden eine kurze Nachricht mit Bezug auf das Gespräch, zum Beispiel: „Danke für den Austausch zur Nachfolge gestern. Hier ist der Kontakt zur Steuerberaterin, von der ich erzählt habe.“ Die Nachricht funktioniert am besten, wenn sie etwas mitbringt.

6. Kontakte in einem festen Rhythmus pflegen

Beziehungen brauchen Pflege, lange bevor du sie brauchst. Lege für die 20 wichtigsten Kontakte einen Rhythmus fest, etwa alle drei Monate. Anlässe gibt es genug: Ein neuer Auftrag des anderen, ein Artikel über seine Branche, ein Geburtstag, eine gemeinsame Veranstaltung. Ein Eintrag im Kalender reicht, damit die Pflege nicht im Alltag untergeht.

7. Verantwortung übernehmen: Der stärkste Hebel beim Netzwerken

Am schnellsten wachsen Beziehungen dort, wo du mit anderen an einer gemeinsamen Aufgabe arbeitest. Wer eine Veranstaltung mitorganisiert, ein Projekt leitet oder ein Amt im Verband übernimmt, trifft dieselben Menschen über Monate immer wieder. Genau diese Wiederholung fehlt auf Einzelveranstaltungen. Nebenbei übst du Führung ohne Weisungsbefugnis, eine der Fähigkeiten aus dem Ratgeber zur Führungskompetenz junger Führungskräfte.

💡
Pro-Tipp: Übernimm bei deiner nächsten Veranstaltung eine kleine Rolle, zum Beispiel am Empfang oder bei der Begrüßung neuer Gäste. Mit einer Aufgabe sprichst du Menschen ganz natürlich an, und jeder kennt danach deinen Namen.

Beziehungen brauchen Zeit: Rund 50, 90 und 200 Stunden

Wie viel Zeit aus Bekannten Vertraute macht, hat der Kommunikationswissenschaftler Jeffrey Hall von der University of Kansas untersucht. Er befragte 355 Erwachsene, die kürzlich umgezogen waren, und begleitete 112 Studienanfänger über mehrere Wochen. Aus beiden Studien schätzt Hall: Eine lockere Freundschaft entsteht nach 40 bis 60 Stunden gemeinsamer Zeit, eine Freundschaft nach 80 bis 100 Stunden, eine enge Freundschaft nach mehr als 200 Stunden.

Stunden gemeinsamer Zeit bis zur Freundschaft, Hall 2018Aus Bekannten werden Freunde: Stunden gemeinsamer Zeit1StartBekannte240–60 Std.lockere Freundschaft380–100 Std.Freundschaft4über 200 Std.enge FreundschaftGemeinsame Freizeit zählt mehr als Zeit, die man nur zusammen arbeitetAbb. 3 · Wirtschaftsjunioren Bayern
Abb. 3: Wie viele Stunden gemeinsamer Zeit aus Bekannten Freunde machen (Hall 2018)

Berufliche Kontakte müssen keine Freundschaften werden. Halls Zahlen zeigen aber, warum ein einziges Treffen selten reicht: Vertrauen wächst mit den Stunden, die Menschen miteinander verbringen. Laut Hall zählt Zeit, die Menschen nur zusammen arbeiten, weniger als gemeinsame Freizeit. Für das Netzwerken heißt das: Das Abendprogramm, die gemeinsame Anreise und der Brunch am Sonntag sind mehr als Beiwerk.

Mehrtägige Konferenzen verdichten diese Zeit. Die BAVARIKO 2026 in Landshut lief über vier Tage und war für über 400 Wirtschaftsjunioren angekündigt. Auf dem Programm standen neben Workshops und Keynotes auch Freizeitaktivitäten, Abendveranstaltungen und ein Speednetworking mit Unterstützung künstlicher Intelligenz. Julian Kreuzer beschreibt, was aus solchen Stunden werden kann: Aus seiner ehrenamtlichen Arbeit sind „über die Jahre viele wertvolle Freundschaften entstanden“.

Drei Tage Netzwerk in Forchheim

Vom 16. bis 18. Oktober treffen sich rund 250 Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte der Wirtschaftsjunioren Bayern zur DEKO26 in Forchheim. Workshops, Kellerwald und Gala-Abend bieten genau die gemeinsame Zeit, aus der tragfähige Kontakte entstehen.

Zur DEKO26

Netzwerken für Introvertierte und Schüchterne: Vier Wege

Introvertierte Menschen tanken Energie in Ruhe und empfinden große Veranstaltungen oft als anstrengend. Netzwerken lernen sie trotzdem gut, denn die wichtigste Fähigkeit beim Netzwerken ist das Zuhören, und Zuhören braucht keine große Bühne. Vier Wege erleichtern den Einstieg:

  1. Kleine Formate wählen: Ein Workshop mit 15 Menschen oder eine Betriebsbesichtigung liefert ein gemeinsames Thema und nimmt den Druck, ein Gespräch aus dem Nichts zu beginnen.
  2. Früh kommen: In der ersten halben Stunde stehen die Gruppen noch nicht fest, und viele Gäste sind froh, angesprochen zu werden.
  3. Eine Rolle übernehmen: Wer beim Empfang hilft oder eine Diskussion moderiert, hat einen natürlichen Grund, Menschen anzusprechen.
  4. Gespräche unter vier Augen fortsetzen: Verabrede dich nach einer Veranstaltung mit einer Person auf einen Kaffee oder ein Telefonat. Dort liegt die Stärke vieler Introvertierter.

Hilfreich ist auch eine Begleitung. Veronika Zweyer und Nicole Vierheller sind über andere Menschen zu den Wirtschaftsjunioren gekommen. Wer mit einer bekannten Person zur ersten Veranstaltung geht und sich vorstellen lässt, überspringt die schwierigste Hürde.

Online netzwerken: LinkedIn als Verlängerung der Begegnung

Online-Plattformen wie LinkedIn eignen sich hervorragend, um Kontakte zu halten, die du persönlich geknüpft hast. Die Science-Studie zeigt, dass Vorschläge für neue Verbindungen die Jobmobilität messbar verändern. Sie zeigt aber auch: Die hilfreichsten Verbindungen teilen gemeinsame Kontakte mit dir. Völlig Fremde bringen im Schnitt weniger.

  • Persönlich vernetzen: Schreib in jede Kontaktanfrage einen Satz, wo ihr euch getroffen habt und worüber ihr gesprochen habt.
  • Sichtbar bleiben: Kommentiere Beiträge deiner Kontakte mit einem echten Gedanken. Ein guter Kommentar bleibt länger im Gedächtnis als ein Like.
  • Online und offline verbinden: Nutze LinkedIn, um vor einer Konferenz zu sehen, wer kommt, und danach, um den Kontakt zu halten.

Für Betriebe, in denen Geschäft vor allem persönlich läuft, bleibt die Begegnung vor Ort der Kern. Die Science-Studie fand in weniger digitalen Branchen einen größeren Nutzen der starken Bindungen, und starke Bindungen entstehen am Tisch, auf der Baustelle oder im Ehrenamt.

Fünf typische Fehler beim Netzwerken und ihre Korrektur

Die meisten Fehler beim Netzwerken entstehen aus Ungeduld. Wer sie kennt, erkennt sie bei sich selbst früher:

FehlerWoran du ihn erkennstKorrektur
Zu früh verkaufenDu stellst im ersten Gespräch dein Angebot vor.Zuerst nach dem Anliegen der anderen Person fragen, dein Angebot erst auf Nachfrage.
Nur netzwerken, wenn du etwas brauchstDu meldest dich erst bei der Jobsuche oder bei einem Engpass.Kontakte in einem festen Rhythmus pflegen, solange alles läuft.
Kein NachfassenNach der Veranstaltung liegen die Visitenkarten im Jackett.Innerhalb von 48 Stunden eine Nachricht mit Bezug auf das Gespräch.
Immer dieselben GesichterDu stehst auf jeder Veranstaltung bei deinen Bekannten.Pro Termin zwei Menschen ansprechen, die du noch nicht kennst.
Einmal kommen, dann verschwindenDu besuchst ein Format und urteilst danach.Dasselbe Format dreimal besuchen, bevor du entscheidest.

Der erste Fehler wiegt am schwersten. Wer ein Gespräch als Verkaufschance behandelt, erzeugt Abwehr. Die 21 Antworten aus der Kampagne zeigen, was Menschen im Netzwerk suchen: Austausch, Lernen und Gemeinschaft. Aufträge entstehen oft trotzdem, als Folge von Vertrauen.

Netzwerken lernen in 90 Tagen: Ein Plan in drei Phasen

Ein Plan über 90 Tage macht aus dem Vorsatz eine Gewohnheit. Er fasst die sieben Schritte in drei Phasen zusammen.

Phase 1, Tag 1 bis 30: Ziel und Netzwerkkarte. Schreib dein Netzwerkziel in einem Satz auf und zeichne deine Netzwerkkarte. Melde dich bei drei eingeschlafenen Kontakten mit einem konkreten Anlass, etwa einem Glückwunsch oder einem hilfreichen Hinweis.

Phase 2, Tag 31 bis 60: Ein Format, drei Termine. Wähle ein wiederkehrendes Format, zum Beispiel die Treffen eines Verbands in deiner Region, und geh dreimal hin. Sprich pro Termin zwei neue Menschen an und schreib jedem innerhalb von 48 Stunden.

Phase 3, Tag 61 bis 90: Aufgabe und Rückschau. Übernimm eine kleine Aufgabe im Netzwerk und stelle mindestens zwei Kontakte einander vor. Zieh am Ende Bilanz: Mit wie vielen Menschen hast du dich ein zweites Mal ausgetauscht? Diese Zahl misst deinen Fortschritt besser als die Zahl der neuen Kontakte.

Netzwerken lernen in 90 TagenNetzwerken lernen in 90 Tagen: Drei Phasen1Tag 1–30Ziel und Netzwerkkartedrei alte Kontakte melden2Tag 31–60Ein Format, drei TermineNachricht binnen 48 Stunden3Tag 61–90Eine Aufgabe übernehmenetwas geben, RückschauAbb. 4 · Wirtschaftsjunioren Bayern
Abb. 4: Netzwerken lernen in 90 Tagen: Drei Phasen mit je zwei Aufgaben

Netzwerken in Bayern: Wo junge Unternehmer Kontakte knüpfen

Die Wirtschaftsjunioren Bayern verbinden junge Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte unter 40 in 59 Kreisen. Der Einstieg erfolgt immer über einen Kreis vor Ort, dort wirst du aufgenommen, vernetzt und begleitet. In der Kreisübersicht der Wirtschaftsjunioren Bayern findest du den Kreis in deiner Nähe. Über dem Kreis stehen der Landesverband, der Bundesverband Wirtschaftsjunioren Deutschland und das internationale Netzwerk JCI.

FormatWas es istWas es fürs Netzwerken bringt
Kreis vor Ort59 Kreise in allen sieben RegierungsbezirkenWiederkehrende Treffen mit denselben Menschen aus deiner Region
Landeskonferenz BAVARIKOVier Tage, 2026 in Landshut, angekündigt für über 400 TeilnehmendeKontakte aus ganz Bayern und der DACH-Region
Delegiertenkonferenz DEKO2026 vom 16. bis 18. Oktober in Forchheim, rund 250 TeilnehmendeDrei Tage mit Workshops, Abendprogramm und Mitgliederversammlung
Bavarian AcademyLandesakademie für neue und langjährige MitgliederKleine Gruppe, Teamaufgaben, Landesvorstand im kleinen Kreis
JCI internationalKonferenzen und Partnerschaften in mehr als 100 LändernKontakte weit über die eigene Branche und das eigene Land hinaus

Wer den Einstieg in kleinem Kreis sucht, findet ihn auf der Bavarian Academy, der Landesakademie der Wirtschaftsjunioren Bayern. Teilnehmende berichten von Kontakten, die über das Wochenende hinaus halten:

„Auf der Bavarian Academy habe ich Menschen kennengelernt, mit denen ich danach im Verband aber auch freundschaftlich noch lange in Kontakt war oder bin.“
Stimme ehemaliger Teilnehmender, zitiert auf wjbayern.de

Die Kontakte reichen über Bayern hinaus. Über Junior Chamber International (JCI) pflegen die Wirtschaftsjunioren Bayern Partnerschaften mit JCI Progress in der Mongolei und JCI Grand Est in Frankreich. Zur Europakonferenz von JCI in Málaga reisten 2026 rund 150 deutsche Delegierte. Im Herbst lädt die DEKO26 in Forchheim vom 16. bis 18. Oktober zur Delegiertenkonferenz des Landesverbands ein.

Kurz gesagt: Netzwerken lernst du durch Wiederholung und Geben

Netzwerken ist eine Fähigkeit aus fünf Verhaltensweisen: Fragen, Zuhören, Nachfassen, Helfen und Dranbleiben. Die Forschung zeigt, dass mäßig schwache Bindungen die meisten neuen Gelegenheiten bringen und dass Vertrauen mit den gemeinsamen Stunden wächst. 21 junge Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte aus Bayern suchen im Netzwerk vor allem Menschen, Austausch und gemeinsames Wirken. Fang mit einem Ziel, einem wiederkehrenden Format und einer kleinen Aufgabe an, und miss deinen Erfolg an den Menschen, die du ein zweites Mal triffst.

Dein Netzwerk beginnt in deinem Kreis

In 59 Kreisen treffen sich junge Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte unter 40, tauschen sich auf Augenhöhe aus und packen gemeinsam an. Finde den Kreis in deiner Nähe und komm zum nächsten Treffen. Du kannst auch erst einmal als Gast zu einem Treffen in deinem Kreis kommen.

Kreis finden

Häufige Fragen zum Netzwerken

Wie kann man Netzwerken lernen?

Du lernst Netzwerken durch Übung: Setz dir ein Ziel, besuche dasselbe Format mehrmals und melde dich nach jedem Gespräch innerhalb von 48 Stunden. Am schnellsten geht es, wenn du in einem Netzwerk eine Aufgabe übernimmst, weil du dann mit denselben Menschen regelmäßig zusammenarbeitest.

Was versteht man unter Networking?

Networking ist der englische Begriff für Netzwerken, also den bewussten Aufbau und die Pflege beruflicher Kontakte zum gegenseitigen Nutzen. In der Informatik bezeichnet Networking außerdem die Vernetzung von Computern.

Wie netzwerkt man als introvertierter Mensch?

Introvertierte netzwerken am besten in kleinen Formaten und Gesprächen unter vier Augen, mit drei vorbereiteten Fragen und einer festen Rolle, etwa beim Empfang oder in der Organisation. Zuhören ist dabei die wichtigste Fähigkeit, und sie braucht keine große Bühne.

Wie spreche ich jemanden beim Netzwerken an?

Ein guter Einstieg ist eine offene Frage zum Anlass, zum Beispiel: „Was hat dich heute hierher gebracht?“ Wer danach zuhört und nachfragt, kommt fast immer ins Gespräch.

Wie pflege ich berufliche Kontakte?

Pflege Kontakte in einem festen Rhythmus: Melde dich mit einem konkreten Anlass, teile einen hilfreichen Hinweis oder stelle zwei Menschen einander vor. Ein kurzer Gruß alle paar Monate hält eine Verbindung lebendig.

Quellen

Ähnliche Artikel